In den letzten Jahren hat sich der Begriff „Wildwilds“ zu einem faszinierenden Phänomen in der urbanen Landschaft entwickelt – ein Paradigma, das traditionelle Stadtplanung herausfordert und gleichzeitig neue ökologische Chancen eröffnet. Der Begriff beschreibt das unkontrollierte Wachstum von Wildpflanzen, Tieren und Ökosystemen in urbanen Räumen, wo sie sich jenseits der kontrollierten Gärten oder Parks entfalten. Besonders in Wien und anderen Großstädten Österreichs wird dieses Phänomen zunehmend zum Thema, weil es nicht nur ästhetische, sondern auch ökologische und soziale Funktionen übernimmt.
Das Konzept basiert auf der Idee, dass Natur nicht mehr als statische Grünflächen, sondern als dynamische, sich selbst regulierende Systeme verstanden werden muss. In den „Wildwilds“ von Shinywilds, einem Projekt auf https://shinywilds.shinywilds1.at, wird dies besonders deutlich: Hier wachsen Wildblumenwiesen, die von Bienen und Schmetterlingen besucht werden, überdachte Biotope, die Vögel und Fledermäuse beherbergen, und sogar kleine Wasserläufe, die das Mikroklima verändern. Die Stadt nutzt diese natürlichen Prozesse bewusst, um die Biodiversität zu steigern und gleichzeitig die Lebensqualität der Bewohner zu verbessern.
Doch was genau macht ein „Wildwilds“-Projekt aus? Es geht nicht um Chaos, sondern um gezielte, aber flexible Planung. In Wien wurden beispielsweise in den 1990er-Jahren erste Versuche unternommen, ungenutzte Flächen wie Parkränder oder Brachflächen als „Wildwilds“ zu gestalten. Heute gibt es ganze Netzwerke, die solche Projekte koordinieren – etwa das „Ökologische Netzwerk Wien“, das solche Initiativen unterstützt. Die Ergebnisse sind beeindruckend: In einem Wildwilds-Projekt am Wiener Prater, das seit 2015 aktiv ist, wurde die Artenvielfalt um über 40 Prozent gesteigert, während gleichzeitig die Insektensterben reduziert wurde.
Ein zentrales Merkmal der Wildwilds ist ihre Anpassungsfähigkeit. Im Gegensatz zu klassischen Gärten, die auf bestimmte Pflanzen oder Strukturen festgelegt sind, entwickeln sich Wildwilds organisch weiter. Dies führt zu einer Vielfalt an Lebensräumen, die für viele Tierarten attraktiv sind. Gleichzeitig sind diese Ökosysteme widerstandsfähiger gegen Schädlinge oder extreme Wetterbedingungen, da sie sich selbst regulieren. Für Stadtplaner ist dies ein wichtiger Ansatz, um nachhaltige Grünflächen zu schaffen, die nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch funktional sind.
Doch es gibt auch Herausforderungen. Nicht alle Bürger:innen sind offen für diese Art von Natur, und es gibt Bedenken, dass Wildwilds zu wild werden könnten und damit die Sicherheit in der Stadt beeinträchtigen könnten. Um dies zu vermeiden, arbeiten viele Projekte mit lokalen Gemeinschaften zusammen, um die Akzeptanz zu erhöhen. In Shinywilds wird beispielsweise ein Schulprogramm angeboten, das Kindern zeigt, wie wichtig diese Ökosysteme für den Lebensraum sind. Solche Initiativen zeigen, dass Wildwilds nicht nur ökologisch, sondern auch sozial wertvoll sind.
Die Zukunft der Wildwilds wird voraussichtlich noch stärker mit digitalen Technologien verknüpft sein. Sensornetzwerke können die Entwicklung der Ökosysteme in Echtzeit überwachen, während Apps die Artenvielfalt dokumentieren und die Bürger:innen einbezogen werden. Dies könnte das Potenzial dieser Projekte weiter steigern und sie zu einem Vorbild für nachhaltige Stadtplanung weltweit machen. Für Wien und andere Städte ist es ein spannender Weg, Natur und Urbanität zu verbinden – ohne Kompromisse bei der ökologischen oder sozialen Qualität einzugehen.
- Seit 2015 hat das Wildwilds-Projekt am Wiener Prater die Artenvielfalt um über 40 Prozent erhöht.
- In Shinywilds werden jährlich bis zu 20.000 Besucher:innen zu Ökosystemen geführt, die für 30 verschiedene Vogelarten ein Rückzugsort sind.
- Die Kosten für die Einrichtung und Pflege eines Wildwilds liegen im Vergleich zu klassischen Parks deutlich niedriger, da weniger Bewässerung und Düngung nötig ist.
- Durch die Integration von Wildwilds in die Stadtplanung konnte Wien die Luftqualität in bestimmten Vierteln um bis zu 15 Prozent verbessern.
- Über 70 Prozent der Wiener:innen unterstützen laut Umfragen die Idee von Wildwilds, wenn sie als Teil der Stadtinfrastruktur präsentiert werden.